Wann bist du, liebwerte LeserIn, letztmals spazieren gewesen im Jardin der Residenz? Tu wieder einmal also, und lasse deine süßen Trippelschritte vermessen, wie DICK unser schönes Schloss recht eigentlich ist.
Zugegeben, von vorn gesehen, zumal in mildem Lichte, wirkt es unkörperlich, als habe es gar keine Tiefen. Wenn du aber drum herum schreitest, bemerkst du die weite Ausdehnung von der vorderen Facade bis zum Park hintenaus. Und wusstest du: Über diese ganze Strecke gingen meinerzeit die verschiedenen Abtheilungen der Hof-Küchen!
Als da war die fürstbischöfliche Mundküche höchstselbst direkt hinter dem Altar der Hof-Kirchen; der sich anschloss: die Backerei nebst Pastetenküche; ein eigen Laboratorium, die Cavaliere und Ritter ab zu füllen; das Zehrgewölbe und die Speisestuben; dort aber, wo der Süd-Flügel mit all diesen Stätten übergeht in den Gartensaal, dort war die Silberkammer untergebracht – eine Zeitlang war eigens ein Goldschmitt für diesen Bedarf zuständig. Nach vorn zu, bis zur Kante des Ehrenhofs, da lagen die Wirtschaftssäle sammt der Brotspeis’.
Laufen, laufen, laufen! hieß es da nicht nur für die Laufburschen. Wie weit die Wege doch waren, schaue ich heute die baldige Bürgerkuche der Residenz-Gaststätten an! Hier liegt alles so nahe zusammen, wie es sich das Gesinde nur wünschen kann. Wie überhaupt ein Hang zur Verkleinerung Eurer heutigen Zeit an haftet,
bemerkt immer wieder staunend und dem beliebten Leser und der noch geliebteren Leserin seine Grüsz biss zum nächsten Mahle entbietend


Noch gibt es diese Kopie aber gar nicht, sondern nur das Original, und das muss naturellement am Orte bleiben. Zum Glück für die heutigen Bauhandwerker fand sich in der Residenz dann aber doch ein recht neuer und gut erhaltener Wandschirm, der die Heirat Barbarossas vom Kaisersaal hinab abkonterfeit. Während der Restauration des Meisterwerks diente dieses ein Dutzend Quadratmeter und mehr messende Bild dazu, die Besucher, die zum Bestaunen des gantzen Schlosses gekommen waren, zu trösten. Eben dieses farbige Tuch ward unseren Bauherren ausgeliehen.
Studieren lässt sich auf dem Kunstwerk nicht nur die Perspektive des Saales, sondern auch, dass das Heiraten doch eine recht ernsthafte Angelegenheit darstellt. Und dass sein Urheber sich in venezianischer Heiterkeit über just diesen Ernst doch ein wenig arg augenzwinkernd erhaben dünkt.











